Über die Geschichte von Kvarøy

Kvarøy gehört zur Inselgemeinde Lurøy und besteht aus den Inseln Indre („Innere“) Kvarøy und Ytre („Äußere“) Kvarøy. Die Inseln liegen unmittelbar südlich des Polarkreises, und man blickt von hier auf die „Polarkreisinsel» Vikingen. Der Name Kvarøy geht wahrscheinlich auf die Bedeutung ”Krause oder Kante” zurück. Früher hießen die Inseln Ytre Quarøen und Indre Quarøen. Indre und Ytre Kvarøy bildeten in der Vergangenheit, als es nur Segelschiffe gab, eine natürliche Abgrenzung der Fahrrinne auf der Strecke Selsøyvik – Solvær, also eine „Kante“ für die Manöver der Segelschiffe. Kvarøy liegt heute noch mitten in der Fahrrinne und nimmt in der Lokalgeschichte von Lurøy einen zentralen Platz ein. .

Bis zur Jahrtausendwende gab es auf Ytre Kvarøy noch Arbeitsplätze und eine Besiedlung, doch das Jahr 2000 war auch das Ende einer langen Epoche der Besiedlung des Eilandes, die bis in die Zeit um 700 n.Chr. zurückreichte.

Die Zeit der Merowinger auf Ytre Kvarøy
Die Merowingerzeit (600-800 n.Chr.) ist eine eher unbekannte Periode vor der Wikingerzeit. Es wurden archäologische Funde aus dieser Zeit getätigt, der reichste Gräberfund aus dieser Zeit in Nordnorwegen wurde 1968 auf Ytre Kvarøy getätigt. Der Bauer Håkon Ivarsen von Ytre Kvarøy teilte dem Museum in Tromsø mit, dass er beim ersten Pflügen eines Ackers interessante Gegenstände gefunden hatte. Diese Funde belegten, dass wohlhabende Menschen an diesem Ort gewohnt hatten. Es wurden vier Männergräber, vier Frauengräber und zwei Kindergräber gefunden. In allen Gräbern befanden sich Grabbeigaben, die auf weit entfernte Ursprünge in östlicher, westlicher und südlicher Richtung hindeuteten. Die Gräber stammten aus der gesamten rund 200 Jahre langen Epoche und vermitteln ungewöhnliche Einblicke in die Besiedlung vor der Wikingerzeit, die sich bis in die Glanzzeit der norwegischen Wikinger fortsetzte.

Die nächsten Quellen, die etwas über die Einwohnerzahl auf den Inseln aussagen, stammen aus dem Jahr 1600. Auf Indre Kvarøy gab es zu dieser Zeit zwei Bauernhöfe und zwei Häusler, auf Ytre Kvarøy zwei Bauernhöfe und einen Häusler.

Im Jahre 1723 gab es auf Indre Kvarøy vier Bauern mit insgesamt zwei Pferden und 12 Kühen. Die Ernte brachte drei Fässer Roggen und 19 Fässer Mischgetreide ein. Im gleichen Jahr gab es auf Ytre Kvarøy nur einen Hof mit Pferd, 12 Kühen und sechs Schafen. Die Ernte dieses Hofes brachte ein Fass Roggen und 18 Fässer Mischgetreide ein.

Indre Kvarøy als Anlegestelle
Bereits 1860 wurde Indre Kvarøy Anlegestelle für die durchgehenden Küstenlinien, als der Anleger von Anklakken auf der Westseite von Kvarøy hierher verlegt wurde. .

Ab 1893 und bis ins Jahre 1953 legten die Schiffe von Hurtigruten in Indre Kvarøy an. Indre Kvarøy liegt perfekt zur Fahrrinne, und dies ließ Indre Kvarøy zu einem wichtigen Umschlagplatz und Verkehrsknotenpunkt im nördlichen Helgeland werden.

Der Linienschiffsverkehr expandierte weiter und trug zu einem wirtschaftlichen Aufschwung auf der Insel bei. Weil jetzt auch die Schiffe von Hurtigruten hier festmachten, wurde 1909 ein Kai gebaut, auf dem zwei Cafés, das erste im Jahr 1911, eröffnet wurden. Auf dem Hof Bakken gård wurde ein Hotelanbau errichtet, und dort gab es auch eine Bäckerei.

Eine Zeitlang erschien auf der Insel auch eine Zeitung, die ”Håløyger”, die sich aber vor allem durch zahlreiche Schreibfehler auszeichnete. Zu den anderen Kuriositäten in der Geschichte des Ortes gehört, dass es eine eigene Limonadenfabrik gab – auf der Insel!

Zwischen 1899 und 1913 wurde auf der Insel ein eigener Handelsmarkt veranstaltet. Im Jahre 2009, fast 100 Jahre später, veranstaltete man noch einmal einen solchen Handelsmarkt, zu dem auch viele Besucher aus der Umgebung kamen. Diese Veranstaltung erwies sich als großer Erfolg.

Das Trocknen von Klippfisch auf Kvarøy
Die Verfeinerung von Dorsch zu Klippfisch ist in Norwegen seit Mitte des 18. Jahrhunderts bekannt, doch erst Ende dieses Jahrhunderts nahm der Handel einen Umfang an, der auch von wirtschaftlicher Bedeutung für Norwegen war. Auch Teile der Gemeinde Lurøy wurden Teil dieses arbeitsintensiven Wirtschaftszweiges, der während einiger hektischer Frühjahrs- und Sommermonate für ein lebendiges Treiben an den lokalen Trockenplätzen sorgte. In Lurøy waren die weißen und sauberen Uferklippen auf der Insel Indre Kvarøy der Schwerpunkt der Klippfischproduktion. Sie wurden von den 1870er Jahren bis zum letzten Weltkrieg mehr oder weniger ununterbrochen aktiv genutzt.

Das Trocknen von Klippfisch wurde um 1880 endgültig ein wichtiger Wirtschaftszweig. Zu dieser Zeit wurde Knut Haukenes erster Expedient für den Klippfischverkauf. Er ließ den großen Anleger Haukenesbrygga bauen. Ein paar Enthusiasten aus der Gemeinde ist es zu verdanken, dass der Kai vor dem Verfall gerettet wurde und noch heute dort steht. Die Renovierung begann 2002 und wurde 2008 abgeschlossen. Kvarøy entwickelte sich Schritt für Schritt zu einem der wichtigsten Trockenplätze in Helgeland. Auf den Uferfelsen von Kvarøy konnten bis zu 60.000 Fische zum Trocknen ausgelegt werden.

Die Blütezeit der Klippfischtrocknung war der Zeitraum zwischen 1923 und 1933, als Sigurd Hansen Blomsø die Nutzung der Uferfelsen verantwortete. Klippfisch von Kvarøy wurde in viele katholische Länder und besonders nach Spanien exportiert. Dort kennen die Norweger den Klippfisch als Bacalhau. In spanischen Wörterbüchern ist Bacalhau die direkte Übersetzung des Wortes Dorsch.
Kvarøy in der jüngsten Vergangenheit
Wie die meisten kleinen Inseln vor der Küste erlebten auch die Inseln von Kvarøy nach dem Zweiten Weltkrieg eine starke Landflucht. Der norwegische Staat versuchte aktiv, die Menschen zum Umzug in urbane Gebiete und industrielle Ballungszentren zu bewegen. Es wurden sogar Subventionen gezahlt, damit die Menschen Haus und Hof verließen. Die geografische Lage von Kvarøy hat dennoch dazu beigetragen, die Bevölkerungszahlen relativ stabil zu halten. Auch mit einer bescheidenen Einwohnerzahl (rund 70 Einwohner) ist der Ort weiterhin lebensfähig. .

1976 nahm das Fischzuchtunternehmen Kvarøy Fiskeoppdrett den Betrieb auf. Das Unternehmen ist bis heute in privater Hand und sorgt für Arbeitsplätze und neue Aktivitäten auf der Insel. Die Treppenfabrik auf Kvarøy wurde bereits 1955 gegründet und hat sich in den letzten Jahren in eine positive Richtung entwickelt. Bis heute hat Kvarøy eine eigene Schule und einen Kindergarten. Dies sind entscheidende Voraussetzungen dafür, dass Familien mit Kindern und letztendlich Arbeitskräfte hierher kommen.

bilderOmkvaroy